Chronik der
Firma Gustav und Edgar Steingräber Transportgesellschaft oHG
Der Weg von der Gründung am 01.11.1949 bis 2006
01.11.1949:
Der „Lastfuhrbetrieb“ des Gustav Steingräber, Berlin Moabit
wird beim Gewerbeamt angemeldet. Der Grundstein ist gelegt!
Gustav Steingräber mußte mit seinem jüngsten Sohn Edgar die Heimat
Elsenau in Pommern verlassen und beide landeten über Umwege nach vielen
Strapazen und Entbehrungen in Berlin- Moabit.
Der Krieg hatte seine Opfer auch bei der Familie Steingräber gefordert:
Im unsäglichen „Russlandfeldzug“ verlor einer der Zwillingssöhne
sein Leben, der andere Zwillingsbruder dann 1953 an den Folgen des Krieges. 1933
war bereits die Ehefrau und Mutter seiner drei Söhne verstorben.
Gustav Steingräber, bereits fast fünfzig Jahre alt, hatte das große
Glück, 1947 im brandenburgischen Mahlow- Glasow Arbeit als Gutsinspektor
zu bekommen. Als nunmehr ehemaliger Landwirt eine Arbeit, die ihm lag.
Währendessen absolvierte Sohn Edgar eine Lehre, heute heißt das Berufsausbildung,
zum Beruf des Industriekaufmanns, die er 1949 abschloß. Aufgrund der politischen
und daraus resultierenden wirtschaftlichen Lage folgte für ihn, wie auch
für Gustav Steingräber die Arbeitslosigkeit, ein für beide unhaltbarer
Zustand! Die Idee der „Ich- AG“ war geboren und der bereits erwähnte
Lastfuhrbetrieb wurde gegründet. (Man merkt, schon vor seiner Schaffenszeit
war Herr Hartz aktuell!)
Mit einem umgebauten Wehrmachtsfahrzeug (Chassis: Magirus, Motor: Ford etc.)
wurden zunächst Zuckerrüben und Mehl transportiert.
Schon damals war die Weitsicht Edgar Steingräbers erkennbar, mit Beginn
des Wiederaufbaus in Berlin mußte doch die Bautätigkeit zunehmen und
wo gebaut wird, werden Materialen benötigt und müssen auch entsorgt
werden! Was war da nahe liegender, als von nun an Sand, Mörtel, Zement,
Steine etc. zu den Baustellen zu transportieren? Gedacht- getan! Aber schon damals
galt, und das ohne Maut, Optimierung schaffen durch paarige Verkehre.
Was sich hier so schwer anhört ist doch ganz simpel: Wenn ich auf der Baustelle
Material liefer, kann ich doch auch wieder Schutt mit abfahren oder sogar mein
Taschengeld (welcher Mann braucht keins?), durch Schrottsammeln aufbessern! So
entstand schon damals eine gewisse Kreislaufwirtschaft.
Die eingesetzten Fahrzeuge wurden gebraucht gekauft, durch die Fachabteilung
Schlosser (s. Organigramm) auf- bzw. umgebaut, allerdings alles ohne Kipphydraulik,
Ladebordwand oder gar Ladekran, sondern umweltfreundlich mit Muskelkraft (Schadstoffklasse
Euro 10?).
Das Organigramm war denkbar einfach: Geschäftsführung: Gustav Steingräber
und der Rest (kaufm. Leiter, Disponent, Sekretärin, Lagerarbeiter, Schlosser
und Fahrer): Edgar Steingräber in Personalunion.
Die Karrieremöglichkeiten indes, waren enorm.
1952:
Edgar Steingräber wird Gesellschafter, der „Lastfuhrbetrieb“ zur
oHG
Es dauerte gerade einmal weitere sieben Jahre, dies ist, in Anbetracht der
wirtschatlichen Lage damals, keineswegs ironisch gemeint, bis das erste Neufahrzeug
in Betrieb genommen wurde. Es handelte sich um einen Henschel, man könnte
sagen, welch ein Luxus, ausgerechnet auch noch ein Henschel! Dieses, leider
nicht mehr existierende Fabrikat galt damals doch neben Krupp und Büssing
als reinster Luxus- LKW.
Es hieß auch nicht mehr Lastfuhrbetrieb, sondern „Fuhrbetrieb“.
Nach so viel Innovation und Fortschritt war klar: Es wird jetzt erst richtig
los gelegt:
Der Fuhrpark wuchs und neue Betätigungsfelder mussten gefunden werden:
Muskelkraft wurde immer weniger benötigt, es gab doch schließlich
Edgars erste Kipperzüge für Sand, Kies, Mörtel etc. Lediglich
die Steine wurden weiterhin per Muskelkraft entladen.
Der Fortschritt war nun nicht mehr aufzuhalten: 1962 der erste Silozug für
Zement- und Kalktransporte. Edgar Steingräber, clever wie er nun einmal
ist, sagte sich schließlich, warum nur das Fertigprodukt Mörtel fahren?
Warum nicht auch die Rohstoffe? Die Idee vom Service aus einer Hand war geboren
und auch gleich umgesetzt. Wie sollte es anders sein? Manch ein Konzern kam erst
in den 1990er Jahren auf diese Idee!
Nun hieß es auf in die Ferne: 1964 wurde die erste „Güterfernverkehrsgenehmigung“ (umgangssprachlich „Konzession“)
erteilt. Vielleicht war das die damalige „Familienförderung“,
denn am 15.04.1963 wurde der ältere heutige Gesellschafter
Jörg Steingräber von Sabine Steingräber, Edgars großer Liebe,
geboren. Aber von den beiden später mehr.
Da zu erwarten war, daß der Bauboom nachlässt, wurden neue Betätigungsfelder
erschlossen. Lebensmittel wurden sowohl mit Tiefkühlfahrzeugen, als auch,
in flüssiger Form, mit Tankfahrzeugen transportiert. Aber natürlich
sagte sich auch hier Edgar Steingräber, warum nur das fertige Produkt transportieren?
Also wurde auch Lebendvieh transportiert.
Der Nebeneffekt war, daß auch der stets hungrige, am 08.12.1967 geborene
heutige Gesellschafter Ingo Steingräber kostengünstig versorgt werden
konnte.
1971
Ausstieg von Gustav Steingräber- die oHG wird wieder zur Einzelfirma
1971 zieht sich Gustav Steingräber im Alter von 73 Jahren aus der Firma auch rechtlich zurück. Die gesamte Verantwortung geht auf Edgar Steingräber allein über.
1974 verstarb Gustav Steingräber dann in Berlin. Zu
diesem Zeitpunkt begann dann auch die Karriere der Ehefrau Edgar Steingräbers,
Sabine Steingräber. Die „Jungs“ waren aus dem „Gröbsten“ raus
und sie konnte sich entwickeln, von der Telefonistin zur Disponentin und noch
viel weiter, aber alles zu seiner Zeit!
Mitte der 1970er Jahre kam die nächste Neuorientierung, es wurde der erste
Kippsilosattelzug, zunächst noch für wechselnde (Spezial-) Bindemittel,
in Betrieb genommen. Wenig später folgten dann bis zu vier „Hoyer“-
Züge, Kippsilozüge für Lebensmittel, wie Mehl und Kaffee, für
Futtermittel und für Kunststoffgranulate. „Hoyer“- Züge
deshalb, weil zwei Fahrzeuge mit festem Vertrag für den damaligen internationalen
Marktführer Hoyer im europäischen Einsatz waren. Man könnte jetzt
neumodisch sagen, die Globalisierung begann, schließlich waren diese Fahrzeuge
von Norwegen bis Südfrankreich unterwegs. Damals noch mit 240- 280PS!
Nach 35 Jahren steter Expansion und Diversifizierung wurde 1984 dann
erstmalig der Entschluß gefaßt, kürzer zu treten. Die Frage
war allerdings, wie? Es wurde ein Kompromiß zwischen dem Ehepaar Steingräber
erzielt.
01.01.1985
Sabine Steingräber übernimmt die Gustav und Edgar Steingräber
Mit der Übernahme der Firma durch Sabine Steingräber wurde der Güterfernverkehr
ausgegliedert und verkauft. Lediglich der Güternahverkehr und der Baustoffhandel
blieben. Man war zum ursprünglichen Kerngeschäft zurückgekehrt.
Das allerdings nicht, weil es dem Unternehmen schlecht ging, sondern, weil
auch hier wieder die Weitsicht zum Tragen kam. Es wurde erkannt, daß zum
Einen die persönliche Gesundheit nicht mehr so zu belasten war, wie das
im internationalen Verkehr nun einmal unvermeidbar war und ist und zum anderen
sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ständig ändern. Der Bau
belebte sich zu diesem Zeitpunkt und der Konkurrenzkampf im Güterfernverkehr
nahm immer weiter zu, teilweise mit unfairen, teils mit illegalen Mitteln.
Mit der Weiterführung des Kerngeschäftes wurde auch das Fundament für
die heutigen Gesellschafter geschaffen.
01.05.1989
Ingo Steingräber tritt in die Firma als Angestellter ein
Nach jahrelangem Bemühen trat am 01.05.1989 der zweitgeborene
Enkelsohn des Firmengründers Gustav Steingräber, Ingo Steingräber
zunächst als Fahrer in die Firma ein. Er hatte bis dahin den Beruf des
Bankkaufmanns erlernt und war noch einige Jahre als solcher bei dem damals
größten Institut am Platze tätig. Daran, daß der Jüngere
als erster in die Firma eingetreten ist, erkennt man, daß er sich nicht
gerade immer an festgelegte Konventionen hält. Bis heute nicht.
Aber damit ebnete er seinem älteren Bruder Jörg den Weg, 1990 ebenfalls
zunächst als Fahrer in die Firma einzutreten. Dieser war bis dahin ebenfalls
als Bankkaufmann bei dem bereits genannten Institut tätig, allerdings nicht,
ohne noch die Prüfung zum Sparkassenfachwirt abzulegen.
1992 folgte für beide die Erteilung der Prokura.
Auch hier sieht man die Karrieremöglichkeiten: Vom Fahrer innerhalb
von nur zwei Jahren zum Prokuristen! Aber es geht ja noch weiter mit
unserer Karriereleiter.
1993
Gründung der Firma Jörg Steingräber und Rückkehr der oHG
zum Fernverkehr
Mit Erteilung jeweils einer Güterfernverkehrsgenehmigung, das Wort hatten
wir bereits, gründete Jörg Steingräber 1993 ebenfalls ein Transportunternehmen,
zunächst noch mit einem gemieteten Fahrzeug der „alten oHG“,
1994 kam dann der erste eigene, neue LKW ein MAN 19322 FS. Man merkt, die Zeiten
hatten sich geändert, dauerte es in den 1950er Jahren noch zehn Jahre
bis zum Erwerb eines Neufahrzeuges, dauerte es nun nur noch ein Jahr.
Auch unsere Firma erhielt 1993 wieder eine Güterfernverkehrsgenehmigung.
Es wurden zunächst Stückgüter wie Stahl, Baustoffe, Sammelgut
und Videokassetten transportiert. Der Fuhrpark wuchs wieder auf 13 Fahrzeuge
an.
1999
50 Jahre Gustav und Edgar Steingräber- der Generationenwechsel zum Millenium
Am 01.11.1999 begingen wir unser 50- jähriges Firmenjubiläum.
Gefeiert wurde ein paar Tage später. Diese Feier war drei Feiern in einer.
Zunächst einmal war sie Jubiläumsfeier, dann war sie Abschiedsfeier
für Edgar und Sabine Steingräber und zugleich Begrüßungsfeier
für Jörg und Ingo Steingräber, denn nun wurde verkündet,
was im Hebst 1999 beschlossen wurde:
Per 01.01.2000 übernahmen Jörg und Ingo Steingräber
per Kaufvertrag die Gustav und Edgar Steingräber Transportgesellschaft,
nun wieder als oHG. Es wurde bewusst die Rechtsform der oHG mit ihrer unbeschränkten
Haftung gewählt, um Vertrauen zu schaffen und um ein Signal zu geben.
Die Einzelfirma Jörg Steingräbers wird auch weiterhin betrieben, jedoch
in enger Zusammenarbeit mit unserer Firma.
2005/ 2006
Neuausrichtung der beiden Firmen Steingräber zum Jahreswechsel
Innerhalb der letzten Jahre erarbeitete sich jeder der beiden Gesellschafter
in seinem jeweiligen Zuständigkeitsbereich seine eigene Organisation und
Spezialgebiete, sodaß es erforderlich erschien, die oHG aufzulösen
und als Einzelfirma unter dem Namen Gustav und Edgar Steingräber
oHG Nachfolger Ingo Steingräber e. K. Transportgesellschaft unter
alleiniger Führung von Ingo Steingräber fortzuführen. Die Firma
Jörg Steingräber besteht weiterhin und hat in der Hauptsache die
Silotransporte übernommen.
Heute beschäftigen wir uns immer noch in der Hauptsache mit dem Transport
von Bau- und Mineralstoffen, jedoch transportieren wir auch mit speziellen Lebensmittelsilofahrzeugen
Getreidemehl, flüssige Chemikalien und Kohlenstäube.
Neben dem reinen Transportgeschäft wurde der Baustoffhandel in den letzten
beiden Jahren deutlich ausgebaut. Im Sortiment befinden sich sämtliche Sande
und Kiese, Tragschichten für den Tiefbau und Spezialbaustoffe für Wegedecken.
Die Bauentsorgung wurde auch mittlerweile in unser Angebot aufgenommen. Hierfür
sind wir am 03.03.2005 zum Entsorgungsfachbetrieb für
Einsammeln und Befördern sowie zum Handeln und Vermitteln zertifiziert
worden. Hinzu kommen noch Logistikleistungen rund um die Baustelle, wie Lenkung
der Materialströme auf Baustellen, Beratung und Konzeptionierung in Sachen
Baustellenver- und –entsorgung. Ein weiteres Betätigungsfeld ist eine
Notfall- Logistik für die Berliner Flughäfen.
Mit der Inbetriebnahme unserer Betriebsstätte Siemensstraße
27-29, 10551 Berlin ist es uns nun möglich, das
vorhanden Bahngleis für den Güterumschlag jedweder Art zu nutzen, gleichzeitig
ist es uns durch ein eigenes Lager möglich, auch Lagerleistungen anzubieten.
Die Umschlags- und Lagerdienstleistungen werden von uns bereits für ein
ebenfalls in der Siemensstraße ansässiges Transportbetonwerk durchgeführt.
Gleichzeitig dient uns unser Betriebsgelände auch als Auslieferungslager
für Zement, Kies, Sand und Boden.
2006
Die Erweiterung der Firma zum Lager führenden Händler für Zement,
Sand, Kies und nachwachsende Brennstoffe
Das Jahr 2006 entwickelte sich schon im Januar/ Februar zu einem außergewöhnlich
guten Jahr, was das Auftragsvolumen anbelangt. In allen Fachzeitschriften wurde über
akuten Laderaummangel berichtet. So wundert es im Nachhinein nicht, daß auch
unser Unternehmen am Rande der Kapazitäten agierte. Auch zusätzliche
Fahrzeuge und zusätzliches Personal konnten dies nicht lindern.
Von Januar bis Mitte März waren wir einerseits mit der Notfallversorgung
der Flughäfen und andererseits mit der Kiesversorgung des Betonwerks in
der Siemensstraße beschäftigt.
Der relativ lange Winter sorgte im Anschluß für eine weiterhin enorme
Auslastung unseres Fuhrparks. Auch zusätzliche Fahrzeuge und die Einrichtung
von 24h- Betrieben mit Schichtbesetzung sorgten hier nur für geringe Entlastung.
Am 29.04.2006 ereilte unser Unternehmen und der Familie Steingräber dann
ein Schicksalsschlag: Edgar Steingräber verstarb nach kurzer Krankheit
im Alter von siebenundsiebzig Jahren.
Im Jahr 2007 entwickelte sich unser Baustoffhandel aufgrund logistischer Vorteile
wiederum außerordentlich positiv. Die Tonnage im Handelsbereich wurde
noch einmal um ca. 150% gesteigert. Zusätzlich nahmen wir Holzbriketts
mit ins Programm.
Nach über fünfundvierzig Jahren stellten wir die Zementsiloverkehre
im September 2007 aus wirtschaftlichen Gründen ein. Zudem gab es mit
unserem Hauptauftraggeber in diesem Bereich erhebliche Abrechnungsprobleme,
sodaß dieser Schritt von unserer Seite unumgänglich war. Die freien
Transportkapazitäten wurden aber nahtlos in die Lebensmittelverkehre
eingebracht. Die Steingräber oHG ist somit im Silobereich fast ausschließlich
im Lebensmittelbereich tätig. Lediglich ein Reservefahrzeug steht für
Baustoffsilotransporte zu Verfügung, dieser wird aber vorrangig für
unseren Kakaoschalenmulch genutzt.
Nachdem Verhandlungen mit der Bahn und dem Bezirk zur Erweiterung unseres
Betriebsgeländes ergebnislos verliefen, entschlossen wir uns im Dezember
2007, das Lager, den Fuhrpark und die Disposition auf ein neues, in Familienbesitz
befindliches Gelände in der Freiheit 14, 13597 Berlin zum 01.03.2008 zu verlegen.
Dort lagern wir auf 820m² Hallenfläche vorwiegend unsere Handelsware
und warten auch unsere Fahrzeuge wieder selbst. Sowohl Füllboden gesiebt,
als auch Natursande 0-1, 0-2, 0-4 und 0-8 WBZ lagern dort in überdachten
Boxen. Unsere Kiese lagern in weiteren Boxen. Durch die Überdachung
können wir Wetter unabhängig eine gleich bleibend hohe Qualität
liefern und verursachen keine Umweltbelastung durch Staubverwehungen.
Die Annahme von Boden und Bauabfällen in kleinen Mengen bieten wir dort
ebenfalls an.
Zum Einsatz kommen heute ca. 45 ziehende und gezogene Einheiten mit insgesamt zur Zeit ca. 25 Mitarbeitern. Alle Fahrzeuge sind selbstverständlich mit fest installierten Telefonen ausgestattet und erfüllen zum größten Teil die Euro 2 und 3 bzw. Euro 5 Abgasnormen.
Wir haben uns bemüht, unsere Chronik interessant zu gestalten und hoffen, Ihnen hat das Lesen ein bißchen Spaß gemacht. In jedem Fall kennen Sie uns jetzt besser.
Ingo Steingräber